Newsinternational Montag, 20.11.2023 |  Drucken

Deutschland tritt Völkermord-Verfahren gegen Myanmar bei

2020 eröffnete der Internationale Gerichtshof in Den Haag ein Verfahren wegen Völkermordes gegen das buddhistische Myanmar

Berlin (KNA) Deutschland ist einem beim Internationalen Gerichtshof (IGH) der Vereinten Nationen eingeleiteten Völkermord-Verfahren gegen Myanmar beigetreten. "Deutschland fühlt sich in besonderer Weise verpflichtet, einen Beitrag zur Vorbeugung, Aufklärung und Bekämpfung von möglichem Völkermord zu leisten und ein Zeichen dafür zu setzen, dass Staaten für Völkermordhandlungen zur Verantwortung gezogen werden", erklärte ein Sprecher des Außenministeriums am Freitag in Berlin. Demnach war Deutschland bereits am Mittwoch mit Kanada, Dänemark, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden beigetreten. Das Verfahren wurde 2020 auf Antrag Gambias eingeleitet.



Der von den Ländern eingereichte Schriftsatz konzentriere sich vor allem auf das Thema sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Kinder, erklärte der Sprecher. Damit wolle Deutschland auch im Völkerrecht darauf hinwirken, dass verletzliche Gruppen ausreichend in den Blick genommen würden. Myanmar müsse alles in seiner Kraft Stehende tun, um Völkermordhandlungen gegen die Rohingya zu unterbinden.


Am 25. August 2017 begann die Armee von Myanmar mit der gewaltsamen Vertreibung von rund 700.000 muslimischen Rohingya aus dem Bundesstaat Rakhine. Zusammen mit den bereits über Jahrzehnte zuvor vertriebenen Rohingya leben in Cox's Bazar gut eine Million Flüchtlinge. Sie verteilen sich auf 31 Siedlungen, die als das größte Flüchtlingslager der Welt bezeichnet werden. Für ihr Überleben sind die Rohingya auf humanitäre Hilfe angewiesen.



Im Januar 2020 eröffnete der Internationale Gerichtshof in Den Haag auf Antrag Gambias ein Verfahren wegen Völkermordes gegen das mehrheitlich buddhistische Myanmar. Die 2021 vom Militär gestürzte De-facto-Regierungschefin und Außenministerin Aung San Suu Kyi reiste 2020 persönlich nach Den Haag, um die Vertreibung der Rohingya zu verteidigen. Auch das jetzige Militärregime wehrt sich gegen den Prozess.Seit dem Putsch von 2021 begehe das Militärregime in Myanmar weitere schwere Menschenrechtsverletzungen, die nicht Gegenstand des aktuellen Verfahrens seien, erklärte der Sprecher des Außenamtes. "Wir rufen das Militärregime dazu auf, die eskalierende Gewalt gegen die Zivilbevölkerung umgehend zu beenden und den Weg Myanmars zurück Richtung Demokratie und zu einer legitimen zivilen Regierungsführung zuzulassen."




Ähnliche Artikel

» Fünfter Tag der Proteste gegen Militärjunta in Myanmar
» Ägypten: Revolution in Internetgeschwindigkeit?
» Bündnis fordert: Deutschland muss weltoffenes Land bleiben
» Der Genozid hat nie geendet
» Amnesty prangert Diskriminierung von Muslimen in Europa an

Wollen Sie einen
Kommentar oder Artikel dazu schreiben?
Unterstützen
Sie islam.de
Diesen Artikel bookmarken:

Twitter Facebook MySpace deli.cio.us Digg Folkd Google Bookmarks
Linkarena Mister Wong Newsvine reddit StumbleUpon Windows Live Yahoo! Bookmarks Yigg
Diesen Artikel weiterempfehlen:

Anzeige

Hintergrund/Debatte

ZMD-Landesverband Rheinland-Pfalz in Staatskanzlei mit anderen muslimischen Religionsgemeinschaften: Kein Generalverdacht und: „Jüdisches und muslimisches Leben sind ein integraler Bestandteile des Landes"
...mehr

Daniel Barenboim mit DAG-Friedrich II von Hohenstaufen-Preis geehrt
...mehr

Buchkritik: "Faschismus" von Paul Mason – Von Aiman A. Mazyek
...mehr

Abraham-Familien-Haus in Abu Dhabi hat sowohl aus islamischer als auch aus interreligiöser Sicht aus mehreren Gründen einen hohen Wert - Von Aiman Mazyek
...mehr

Veranstaltungsreihe „Islam bedeutet Frieden“ mit Dr. Muhammad Sameer Murtaza
...mehr

Alle Debattenbeiträge...

Die Pilgerfahrt

Die Pilgerfahrt (Hadj) -  exklusive Zusammenstellung Dr. Nadeem Elyas

88 Seiten mit Bildern, Hadithen, Quran Zitaten und Erläuterungen

Termine

Islamische Feiertage
Islamische Feiertage 2019 - 2027

Tv-Tipps
aktuelle Tipps zum TV-Programm

Gebetszeiten
Die Gebetszeiten zu Ihrer Stadt im Jahresplan

Der Koran – 1400 Jahre, aktuell und mitten im Leben

Marwa El-Sherbini: 1977 bis 2009